»Alles ist Skulptur«. In dieser Einsicht fand Joseph Beuys den Schlüssel zu seinem nach eigenem Bekunden wichtigsten Beitrag zur Kunst, nämlich dem Erweiterten Kunstbegriff, wofür er die griffige, aber im Grunde nach wie vor rätselhafte Formel »jeder Mensch ein Künstler« prägte. In seiner letzten großen Rede, gehalten zwei Wochen vor seinem Tod bei der Verleihung des Wilhelm-Lehmbruck-Preises in Duisburg, erklärte Beuys, der erste Impuls für die Erweiterung der Kunst sei ihm von Lehmbrucks Skulpturen ausgegangen. Durch sie habe er verstanden, dass Skulptur oder Plastik nicht nur eine räumliche Kategorie, sondern auch ein überräumliches und überzeitliches Prinzip sei, wirksam in den seelischen und geistigen Kräften jedes einzelnen Menschen.

Die Idee »Soziale Plastik« zielt also nicht darauf, Objekte in die Welt zu bringen. Sie will vielmehr den gesellschaftlichen Organismus in all seinen Funktionen aus den gegenwärtigen De-formationen in überhaupt erst humane Formen bringen – human im Sinne von menschenwürdig, was ökologische Gerechtigkeit mit einschließen würde. Mithin ergreift plastisches Gestalten hier nicht mehr nur physisches, sondern auch geistiges und seelisches Material. Die primären Werkstoffe der Sozialen Plastik sind das Denken, Fühlen und Wollen. Auch das Wahrnehmen, Sprechen, Hören und der Austausch gehören dazu.

Von da aus erkundet das Seminar Praktiken und Prozesse, die helfen können, auf jedem Arbeitsfeld zu schöpferischen Agentinnen und Agenten des so notwendigen Wandels zu werden.

 

Soziale Plastik-Seminar im Quartier mit Dr. Hildegard Kurt

Termin: 8. März 2015, 11 – 17 Uhr, ab 10:30 Uhr Begrüßungskaffee

Begrenzte TeilnehmerInnenzahl: 14

Teilnahmegebühr: 50,- Euro

Anmeldung unter Tel.: 0176 70 44 19 60 (Y. Schönfelder) oder Mail: yv21012@googlemail.com