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THEMA: BRUCHKANTE

Editorial:
Wenn Welten aufeinander stoßen

Von Karin Nell und Philipp Schlee

Inzwischen ist es nicht mehr zu übersehen: Pempelfort hat sich verändert. Gewaltige Baukörper ziehen sich entlang der Bahnstrecke. Dort, wo noch vor einigen Jahren wildes Brachland einen Anziehungspunkt für Kreative(s) bildete und sich als starkes Gegengewicht zum eher feinen Zooviertel behauptete, erstrecken sich nun langweilige Häuserfassaden und eintönige Grünflächen. Die Spannung ist verloren gegangen. Der Punk fehlt. Der alte Güterbahnhof und das wunderbare Les Halles sind Geschichte. Abgerissenes und Plattgemachtes haben Narben hinterlassen, die nicht heilen wollen. Menschen mit vielen Hunden und großen Autos gehören zum neuen Bild des Stadtteils.

Überall Designer-Balkonmöbel, betonierte Garageneinfahrten, wenig genutzte Fahrradwege: Das soll französisches Flair haben? Wo sind denn die kleinen, belebten Plätze, die Künstlerateliers, die verrückten kleinen Läden und Galerien, urigen Cafés? Wo findet hier das bunte Quartiersleben statt? Ein Flaneur bekäme das kalte Grausen.

Und der andere Teil von Pempelfort – der Teil, der über Jahre und Jahrhunderte gewachsen ist? Wie geht es dem mit all den Neuen und dem Neuen? Empfinden die Menschen in der Nachbarschaft die Veränderung als Zumutung? Oder als Chance? Was passiert an den Rändern, dort wo das alte und das neue Pempelfort aneinander stoßen? Welche Kräfte wirken hier? Abgrenzung oder Anziehung?

Zur Klärung dieser Fragen haben wir für die neue PaTchWErk an den Bruchkanten zwischen diesen beiden Welten geforscht. Wir haben uns von unterschiedlichen Ansätzen zum Umgang mit Brüchen und Umbrüchen inspirieren lassen, aber auch den einen oder anderen Blick zurück in die Vergangenheit des Viertels geworfen. Wir haben mit Alt- und Neu-Pempelforter/innen diskutiert und versucht, die Atmosphäre in den verschiedenen Teilen unseres Quartiers einzufangen. Die Fülle des dabei zusammengetragenen Materials hat den zur Verfügung stehenden Platz buchstäblich gesprengt. Deshalb haben wir uns entschlossen, uns von unserem liebgewonnenen Poster-Format (zumindest vorübergehend) zu verabschieden. Eine Änderung, die uns nicht leicht gefallen ist. Umso gespannter sind wir natürlich, wie das neue Format ankommen wird.

Apropos Veränderungen: Weil mit dem einschneidenden Wandel des Quartiers viele Ängste und Fragen aufgeworfen werden, hat der Keywork e.V. in der Bagelstraße 117 ein Zukunftslabor eingerichtet – einen Lern- und Experimentierraum geschaffen, der die Bewohnerschaft zu gemeinsamer Forschungsarbeit sowie zu selbstorganisierten Aktionen in der Nachbarschaft inspirieren will (Bei Interesse bitte eine E-Mail an info@keywork.info). Hier sollen Ideen verknüpft, Akteur/innen vernetzt und Projekte geplant und umgesetzt werden. Neuzugezogene und Alteingesessene, Menschen aller Generationen, Kulturen und Milieus sind eingeladen, gemeinsam mit Stadtplaner/innen, Künstler/innen und Bildungsexpert/innen die Zukunft des Quartiers (mit) zu gestalten. „Der eigentliche Ort der Entwicklung“, so ermutigt der berühmte Sozialethiker  Paul Tillich, „ist das Experiment an der Grenze“.  Wir sind gespannt.

Viel Spaß beim Lesen wünscht die

PaTchWErk-Redaktion

Kontakt zur Redaktion: Claudia Sander | sander@keywork.info